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16. November 1944: Untergang von Düren

Vor 70 Jahren wurde Düren Opfer des Alliierten Bombenterrors

Als die letzten Maschinen gegen 16 Uhr ihre Bomben über Düren ausgelöst haben und wieder zum Rückflug ansetzen, da liegt hinter ihnen eine Kraterlandschaft von einmaliger Trostlosigkeit, da liegt hinter ihnen das Ruinenfeld einer Stadt, die zerstört worden ist, wie keine andere in diesem Kriege.

„Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.Und ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha-Höllen der englischen und amerikanischen Flugzeuge persönlich erlebt. Ich stehe an Ausgangstor meines Lebens und beneide alle meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist. Ich weine.“

Gerhart Hauptmann (1862-1946)

Düren war eine Stadt, die zerstört worden ist, wie keine andere in diesem Kriege.“

Bild: Düren, Wirteltorplatz (vor dem 1. Weltkrieg)

 

16. November 1944: Untergang von Düren

Zur Geschichte der Stadt Düren

Düren ist mit etwa 93.000 Einwohnern eine große Mittelstadt am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln. Die von der Rur durchflossene Stadt nennt sich Das Tor zur Nordeifel. Sie ist geprägt von mehr als 1300 Jahren wechselvoller Geschichte und ihrer Industrie.

Düren war zur Zeit der französischen Besatzung von 1798 bis 1814 Hauptort des Kantons Distrikt Aachen im Département de la Roer im Rheinland. Nach dem Niedergang Napoleons wurde der König von Preußen aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 neuer Landesherr in der späteren Rheinprovinz.

Am Ende des Jahrhunderts (1880) zählte die Stadt 17.368 Einwohner. Sie besaß zu dieser Zeit fünf katholische und zwei evangelische Kirchen. Es gab 93 fabrikmäßige Betriebe, insbesondere mehrere Papierfabriken, drei Tuchfabriken, eine Flachsspinnerei/Leinenweberei, Eisengießereien, Maschinenfabriken. In der Stadt wurden Nadeln, Zucker, Glas, Kunstwolle und Teppiche produziert. Außerdem gab es eine Bierbrauerei, Töpfereien, Braunkohlentagebau und Galmeigruben.

Um 1900 galt Düren als eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands und als zweitreichste Stadt in Preußen. Dort wohnten 42 Millionäre.(aus Wikipedia)

Düren wird Opfer des Alliierten Bombenterrors

Als die letzten Maschinen gegen 16 Uhr ihre Bomben über Düren ausgelöst haben und wieder zum Rückflug ansetzen, da liegt hinter ihnen eine Kraterlandschaft von einmaliger Trostlosigkeit, da liegt hinter ihnen das Ruinenfeld einer Stadt, die zerstört worden ist, wie keine andere in diesem Kriege.

Je näher der Krieg seinem Ende entgegendonnert, und je sicherer und greifbarer der Sieg für den Alliierten liegt, umso gnadenloser wird das taktische Bombardement" jener Städte, die irgendwo im Hinterland der dünnen deutschen Front liegen. So trifft eine lange Reihe von Mittel- und Kleinstädten noch kurz vor dem Ende die volle Wucht der Bomberwaffen. Eines der Opfer dieser bestialischen Angriffe wird Düren, das vor dem Ausbruch des Krieges etwa 45.000 Einwohner hatte.

Der erster Gedanke, was die Alliierten dazu bewogen hat, diese mittelgroße prachtvolle Stadt auszulöschen, sind die Wut und der Haß gegen die Kämpfer der letzten großen Schlacht um den Hürtgenwald, über den Widerstand der Wehrmachtreste, die ein halbes Jahr lang die Angreifer beim Hürtgenwald festhielten, trotz mehrfacher Unterlegenheit. Etwa 50.000 Angehörige der Alliiertenarmee haben ihren Tod bei dieser Schlacht gefunden. Die Alliierten waren genervt, daß die Rote Armee allein nach Berlin kommen würde.

Wenn man aber die unmenschliche, gnadenlose Bombardierung fast aller deutschen Städte im Betracht zieht, so dürfte es Winston Churchill und dem Mörder-Harris auch darum gegangen sein, ihre Liste aus dem Bomber-Baedeker fertig abzuhaken. (Die Rede ist von den sogenannten Baedeker-Angriffen auf kulturell wichtige deutsche Städte).

Obwohl Düren schon seit dem 19. September unter leichtem Artilleriebeschuß liegt, leben auch nach der Evakuierung nach Köln, Niedersachsen und Thüringen noch immer weit über 20.000 Menschen in der weitgehend unbeschädigten Stadt. Jeden Tag rechnen sie mit dem Vorstoß der Amerikaner, rechnen sie damit, daß Düren überrannt wird und der Krieg für sie vorbei ist.

Die „Dürener“- Zeitschrift brachte in der Ausgabe 9/2012 einen Bericht von Franz Mohr, der sich an die Geschehnisse an der Rur, die er als 17jähriger erlebt hat, erinnert. Auszüge aus seinem Bericht:

An die ständigen Luftangriffe waren wir inzwischen gewöhnt. Wenn das Sperrfeuer einmal kurz unterbrochen wurde, kamen wir aus unseren Unterständen gekrochen, um in der Küche etwas zu kochen und zu essen. Diese hastigen Mahlzeiten wurden meist von erneutem Artilleriefeuer gestört, und wir eilten dann zurück in den Schutzraum.

Im Hof hatten wir Hühner und Kaninchen. Als ich am Morgen die Hühner füttern wollte, fand ich sie alle eng zusammengedrängt in einer Ecke. Um die Körner kümmerten sie sich nicht. Als ich den Kaninchen ihr Futter in den Käfig steckte, hockten auch diese verstört in einer Ecke und rührten das Futter nicht an. Das verstärkte in uns das Gefühl, daß etwas in der Luft lag.

Viele der Bewohner hatten Düren bereits verlassen und waren nach Osten gezogen. Mein Vater hatte gemeint, es sei besser, in der Stadt zu bleiben, denn von Westen her kämen die Truppen der Alliierten, und es sei besser , in die Hände der Amerikaner zu fallen als in die der Russen.

Als ich an jenem trüben, kalten Novembertag nach dem Frühstück auf das Dach kletterte, sah ich plötzlich, wie sich lauter B-17 vom Westen her näherten: Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge, soweit das Auge reichte, in sehr geringer Höhe. Ihr Dröhnen wurde immer lauter. Ich bemerke, wie vom ersten Flugzeug ein Rauchsignal ausging, und wußte sofort: Das galt uns!Mit einem Satz sprang ich vom Dach, rannte die Treppe hinunter und brüllte meinen Eltern zu, sich sofort in den Luftschutzraum zu begeben. Was in den nächsten Minuten geschah, erfaßten wir erst viel später.“

Die amerikanische 1. Armee soll die an der Reichsgrenze notdürftig aufgebaut deutsche Front durchbrechen, nördlich von Düren über die Rur gehen und nach Köln vorstoßen. Zur Vorbereitung dieses Durchbruchs hat General Eisenhower starke Luftunterstützung angefordert. Und Marschall Harris stellt sämtliche Maschinen seines Kommandos für einen Vernichtungsangriff auf Düren und Jülich bereit.

In den Nachmittagsstunden des 16. November 1944 starten 1188 viermotorige Bomber der 8. US-Flotte, um diese kleinen Städte [Düren, Hildesheim, Ulm und Mainz] hinter der Front zu bombardieren.

Da hört man das Grollen der anfliegenden Bomberflotten. Das klingt anders als sonst, anders, als wenn die Geschwader wie schon hundertmal über die Stadt hinweg zu einem fernen Ziel fliegen. Und da kommen die ersten Bombenteppiche herunter, mit einem teuflischen Kreischen und Heulen, da bebt die Erde nicht nur, da schüttelt sie sich unter der Last der Explosionen.

Wir hatten die Feuertür gerade hinter uns zugezogen und verriegelt, als die ersten Bomben fielen. Wir dachten alle, dies sei das sichere Ende. Dann gab es eine Pause, und in der Meinung, der Angriff sei vorüber, öffneten wir die Tür. Das Bild, das sich uns beim Hinaustreten bot, ist kaum zu beschreiben. Die eine Seite unseres Hauses war schwer beschädigt, und durch einen großen Spalt in der Mauer konnten wir sehen, daß die Treppe ganz schief hing. Es herrschte eine extreme Hitze, wie in einem Brennofen. Ein heftiger Wind fegte durch die Straßen und setzte ein Haus nach dem anderen ins Brand. Über allem schwebte gelbes, brennendes Napalm oder Phosphor von den Brandbomben. Ich mußte zusehen, wie die Menschen davon erfaßt wurden und direkt vor meinen Augen verbrannten.

Aber die Bombardierung war noch nicht vorüber. Weitere Flugzeuggeschwader dröhnten heran und warfen ihre Tod und Schrecken bringende Ladung über uns ab. Ich rannte zurück in unser halbzerstörtes Haus. Die obere Etage stand jetzt in Flammen, aber wir schafften es noch, in den Keller zu stürzen und die Tür hinter uns zu verriegeln. Um uns herum explodierten die Bomben.

Dann spürten wir, daß unser Haus getroffen wurde. Dieser Augenblick ist völlig unbeschreiblich. Kurz nachdem unser Haus diesen Treffer erhalten hatte und alles zusammenstürzte und in Flammen aufging, sah ich direkt über mir ein Loch. Ich zog mich hoch und schob mich hindurch. Der brennende Schmerz löschte jeden Gedanke an die anderen in mir aus. Ich begann, von diesem schrecklichen Inferno fortzurennen. Meine Haut brannte, und Blut spritzte über mein Gesicht. Als ich mir einmal mit den Fingern durch das Haar fuhr, lag es plötzlich büschelweise in meiner Hand – wie eine Perücke. Ich rannte weiter. Meine Augen schmerzten so sehr, daß ich sie kaum noch offenhalten konnte.“

Der Turm der Annakirche, dieses Wahrzeichen der Stadt, das auf den Fundamenten der Königlichen Pfalzkapelle aus dem Jahre 775 steht, brennt. Das Dach ist eingestürzt. Der brennende Helm des Annakirchturms ist vom Sturm aus dem Gebälk gelöst worden, kippt zur Oberstraße ab. Das Balkenwerk und die Dachsparren brennen wie Scheiterhaufen. Und im gleichen Augenblick bäumt sich der Kirchturm noch einmal auf und stürzt dann in sich zusammen. Das Wahrzeichen von Düren gibt es nicht mehr.

Das letzte Geschwader dreht zum Rückflug um. Aber die Gefahr ist noch lange nicht vorbei. Und in dieses Inferno hinein heult plötzlich wieder ein Bombenteppich.

Dort, wo vor einer halben Stunde noch eine Stadt war, dort ist jetzt eine rauchende, prasselnde Hölle. Der Platz ist eine Mondlandschaft, ein Kraterfeld.

Wo einmal die Straßen gewesen waren, das war beim besten Willen nichts mehr zu erkennen. Die ganze Stadt schien auf den Kopf gestellt und durcheinander geschüttelt worden zu sein. Später erfuhren wir, daß in den knapp zwanzig Minuten des Angriffs 24.000 Menschen umgekommen waren - 98% der gesamten damaligen in der Stadt verbliebenen Bevölkerung. Nur eine Handvoll kam mit dem Leben davon. Manche

starben erst nach Tagen, lebendig begraben unter den Trümmern ihrer Häuser. Die Stadt war ein Meer von Flammen. Der Rauch schien in einer einzigen Säule zum Himmel zu steigen.

Während ich immer weiter von dieser Stadt des Grauens floh, war mein Weg von unzähligen Leichen gesäumt. Ein Mann schob sein Fahrrad den Berg hinauf. Darüber hing ein Toter, wahrscheinlich ein Familienangehöriger. Ich sah noch viele weitere Tote und einige Verwundete auf Handwagen; dazu viele Verletzte, die sich wie in Trance vorwärts schleppten. Ich war schockiert von all dem Blut und Verderben.“

Wieviele Menschen bei diesem einen Angriff umgekommen sind, kann niemand genau sagen. Auf dem Neuen Friedhof sind insgesamt 3475 Zivilisten beigesetzt, die am

16. November 1944 den Tod gefunden haben. Zusätzlich sind eine unbekannte Anzahl Todesopfer dazuzuzählen, die in den glühenden Kellern der Häuser nur noch als Staub übriggeblieben sind. Wenn die Phosphorbomben die Kohlehaufen zum Brennen bringen, sind die Leute in den Kellern nicht mehr zu retten. Unter den Trümmern müssen noch zahllose Menschen begraben worden sein, die man nie gefunden hat. Die Nähe der Front brachte es mit sich, daß auch eine große Zahl von Soldaten sich dauernd in der Stadt aufhielt. Es war nicht einmal festzustellen, wie groß die Zahl der Vermißten überhaupt war. Die Zerstörungen im Stadtgebiet waren von einem solchen Ausmaß, daß ein Verbleiben der Bevölkerung in der Stadt ausgeschlossen war.

Nach Aussagen von Zeitzeugen sollten mindestens 24.000 Menschen dieser Bombardierung zum Opfer gefallen sein: zerbombt, erstickt, verbrannt, verkohlt.

Die Britische Luftwaffe bombardiert Düren von 15.23 bis 15.44 Uhr, 21 Minuten (!) mit 474 Flugzeugen. Abwurf von 95 Zielmarkierern. Auf das Stadtgebiet wurden 5477 Sprengbomben und 48.980 Brandbomben abgeworfen, im Gesamtgewicht von 2751,9 Tonnen, für jeden in der Stadt verbliebenen Einwohner mindestens zwei. Es wurden Bombentrichter bis zu zehn Meter Tiefe und 25 bis 60 Meter Durchmesser festgestellt."

Kurz vor Weihnachten 1944 fand ich meine Eltern wieder. Vater und ich beschlossen, mit den Fahrrädern zurück nach Düren zu fahren, um unser Haus zu suchen.

Unsere Straße lag völlig in Trümmern. Überall schwelte es noch, und die Hitze war so unerträglich (sogar noch 6 Wochen nach der Bombardierung (Red.).

Wir gingen bis zu Rur. Dort war die Front zum Stillstand gekommen. An jenem Tag war alles still. Man hörte keine Schüsse, keine Artillerie, keine Flugbewegungen…

Es war kurz vor Weihnachten.“

Wie widersinnig dieses Bombardement war, das zeigt allein schon die Tatsache, daß die deutsche Wehrmacht mit riesigen Fremdarbeiter-Kolonnen vier volle Tage arbeiten mußte, um die Durchgangsstraßen durch die zusammengebombte Stadt notdürftig passierbar zu machen... Völlige Zerstörung der Stadt.

Dieser Bericht sagt mehr über das Grauen und die Unmenschlichkeit des Luftkrieges, und auch mehr über das Ausmaß der Vernichtung dieser Stadt als lange Denkschriften können.

Bei alliierten Luftangriffen sind Düren und Jülich geradezu umgepflügt worden“.