„Die politische Arbeit überdenken“

 

Auszug aus dem Bericht zum Seminar: „Tag der Vertriebenen, Tag der Heimat“

Die neue Strategie in der Politik

Die 15 Millionen Vertriebenen wurden immer in der Nachkriegszeit als großes Wählerpotential angesehen.

Auf ihren Auftritten vor den Vertriebenen waren die Politiker der etablierten Parteien in ihren feurigen Reden nie sparsam mit Versprechungen. Auf den Wahlplakaten der CDU, SPD oder FDP in den 50er Jahren war die Karte von Deutschland mit den abgetrennten Ostgebieten und Königsberg abgebildet, was die Sowjets damals sehr geärgert hat. Den westlichen Besatzungsmächten war es aber recht, da die strittige Situation der abgetrennten deutschen Ostgebiete ein Hindernis für die Annäherung zwischen BRD und Sowjetunion war, und diese Annäherung war für London und Washington äußerst unerwünscht.

 

Andererseits gab es den westlichen Besatzungsmächten die Möglichkeit, ihren Einfluß auf die BRD-Politik zu verstärken, die Umerziehung voranzutreiben und den Deutschen die „historische Schuld“ aufzuzwingen.

Seit Anfang der 90er Jahre sprechen die Vertriebenenverbände nicht mehr über die Rückgabe der Ostgebiete, sondern nur noch über die Rückgabe des Privateigentums oder über eine Entschädigung. Und wieder wurde den Vertriebenen Hoffnung auf Lösung ihrer Angelegenheiten gemacht, man solle nur die Erweiterung der EU nach Osten unterstützen. Sobald die Ost-Europäischen Staaten in die EU aufgenommen worden seien, so würden die Probleme der Vertriebenen in Rahmen der demokratischen Gesetze der Europäischen Union gelöst werden. Auch diese Versprechungen erwiesen sich als der nächste Betrug.

1999 versuchten die westlichen „Verbündeten“ wieder einmal, den BdV zu mißbrauchen, indem sie die Vertriebenen davon überzeugen wollten, die Bombardierung Serbiens zu unterstützen. Argumentiert wurde damit, daß man die aus der serbischen Provinz vertriebenen Albaner schützen wolle. Grund und Ursache der Bombardierung Jugoslawiens waren auf Lüge aufgebaut. So wurden aus der serbischen Provinz nicht die Albaner vertrieben sondern die Ureinwohner – die Serben. Und der Ergebnis: Serbien wurde ebenso zerstückelt wie Deutschland nach den Kriege.

 

Und wo stehen die Vertriebenen heute?

 

Robert Stark, ein rußlanddeutscher Journalist, schreibt in seinem Bericht von der Veranstaltung der Bayern-Gruppe des BdV («Ost-West-Panorama» №1/2012):

«...Die sog. Siegermächte wachen aufmerksam über die Beständigkeit der Nachkriegs-Weichenstellung, und jeglicher Versuch, etwas zu ändern, stößt auf harten Widerstand und wird mit allen Mitteln verhindert. Die Wächter des Besatzungsstatuts fürchten sogar solche Kleinigkeiten wie eine Entschuldigung gegenüber den schuldlos gelitten habenden Vertriebenen, weil das zu einer Kettenreaktion kommen könnte, mit weitreichenden Folgen. Die Moral der modernen Welt ist zu solch einer politischen Entwicklung leider noch nicht reif. Also werden wir keine Illusionen verbreiten.

Der Stillstand in den Reihen der Vertriebenen paßt den Herrschenden in der BRD auf allen Ebenen. Mit Rücksicht auf die Situation des Unterstehens unter Besatzungsmacht kann man die etablierten Politiker sogar verstehen: Einerseits sind sie verpflichtet, antideutsche Politik im eigenen Lande zu treiben, andererseits aber sind sie gezwungen, die Interessen der deutschen Vertriebenen zu vertreten und kommen in „Konflikt“ mit den Verfechtern der Genozid-Dekrete. Eine unbequeme Situation: man will vor der „internationalen Gesellschaft“ das demokratische Gesicht bewahren und gleichzeitig vor dem eigenen Volk sich ehrenhaft darstellen. Dadurch kommt ihnen der Rückgang der Aktivitäten der Vertriebenenorganisationen sehr gelegen. Noch ein paar Jahre – und das Problem der Vertriebenen verschwindet auf natürliche Weise: es wird nämlich keine Vertriebenen mehr geben. Wegen solchen Ausgangs lohnt es sich für diese, sich noch eine Weile zu gedulden und sogar, an Versammlungen der gekränkten Landsleute teilzunehmen, Mitgefühl auszusprechen und Zuversicht zu verleihen, daß der Zug in Richtung „des Verständnisses für die Probleme der Vertriebenen schon abgefahren ist“.

Ja, der Zug ist vielleicht abgefahren, aber ob der irgendwann und irgendwo ankommt? »

 

Was ist in dieser Situation zu machen?

Das Thema unseres Vortrags heißt „Die neue Strategie in der Politik“. Was wir vorschlagen, betrifft nicht nur den BdV und alle anderen Vereine und Gruppierungen der Vertriebenen, sondern auch die gesamten nationalen Kräfte Deutschlands: wir sollten unsere politische Tätigkeit in der Zukunft nicht auf Fragen der inneren Politik in unseren Lande beschränken. Gerade die Beschränkung auf inländische politische Themen ermöglicht dem herrschenden System ein leichtes Spiel, um die nationalen Kräfte zu dämonisieren, zu schikanieren, zu verfolgen und das der Welt als Kampf gegen Neonazismus zu verkaufen, was verständlicherweise nur noch begrüßt wird.

 

Das politische System, das die Alliierten in der BRD installiert haben, unterdrückt mit der „Nazi-Keule“ jegliche Andersdenkenden, macht sie mundtot, ohne die Gefahr einzugehen, vom Ausland kritisiert zu werden. Dieser Teufelskreis muß durchgebrochen werden.

 

Uns ist es klar, daß wir uns auf dem politischen Feld zwischen zwei Siegermächten bewegen: den USA und dem heutigen Rußland, wobei man diese heute als Gegner betrachten kann.

Die nationalen Kräfte müssen in der Außenpolitik eine klare und eindeutige Position einnehmen, die Verständnis in der einen oder anderen Frage außerhalb der BRD findet und so positive Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Ein Beispiel: Die zweitgrößte Fraktion in der Staatsduma Rußlands machte eine Untersuchung über oppositionelle politische Bewegungen und Entwicklungen in Nord-Amerika und West-Europa. In Bewertung solcher Entwicklungen in der BRD stützte sich dieser Bericht fast ausschließlich auf die Information von der Seite „Die Rußlanddeutschen Konservativen“. Sergej Stroew, Assistent eines Duma-Abgeordneten, schreibt in diesem Bericht, Zitat:

 

„Nach der Analyse der Publikationen und Veröffentlichungen der deutschen Nationaldenkenden aus der NPD und der "National-Konservativen Bewegung der Deutschen aus Rußland" stellen wir fest, daß sie

1. strikt die amerikanischen Raketen „Patriot“ in Polen ablehnen,

2. gegen den Druck seitens der EU auf Weißrußland sind,

3. gegen den Bundeswehr-Einsatz in Kosovo und Afghanistan demonstrieren,

4. die NATO Aggression in Libyen verurteilen und

5. gegen NATO und Nato-Erweiterung sind.

„Wir wollen es nochmals betonen - diese Menschen, die in den westlichen und auch in russischen Medien nicht anders als Neonazis und Revanchisten tituliert werden, wollen in Wirklichkeit ein friedliches Miteinander in ihrem Land und im übrigen Europa - sind also gegen Angriffskriege der NATO und NATO-Stützpunkte in Deutschland und aller Welt. Aus diesem Grund veranstalten sie auch regelmäßige Kundgebungen gegen die Kriegstreiberei und Globalisierung.

Die Medien sind in der Tat nur das Werkzeug des Großkapitals und der politischen „Elite" der Globalisierung. Diese ist logischerweise bestrebt und darauf bedacht, die nationalen Staaten zu vernichten und ihre unbeschränkte Herrschaft zu festigen. Ohne Rücksicht auf Menschen und Menschenschicksale. „Das Ziel heiligt die Mittel"- das ist ihr Motto ... Daran klebt Blut.

Die russischen Medien tragen zu der NATO-Osterweiterung und zur Legalisierung der sog. Opposition und orangefarbenen Revolutionen bei, indem sie das Märchen von den bösen Nazis von den westlichen Medien übernehmen, wie es in der Ukraine etwa der Fall gewesen ist.“

(Sergei Stroev, Assistent des Staatsduma- Abgeordneten, Co-Vorsitzender der Sankt- Petersburger Fraktion der allrussischen Bewegung „russky Lad")

 

Da wir uns heute mit das Thema „Vertreibung“ beschäftigen, sollten wir dafür sorgen (so weit es möglich ist), daß sich der BdV nicht vor die Karre der internationalen Globalisierung spannen läßt. Immerhin, es ist doch positiv zu bewerten, daß der BdV heute einer der wenigen bürgerlichen Vereine in der BRD ist, die für die traditionellen menschlichen Werte stehen. Die Präsidentin des BdV prangert in ihrem Auftritt im Bundestag die Grüne Partei wegen deren Versuch, die Pädophilie zu legalisieren, an. Vor kurzem hat Erika Steinbach eine Rede im Bundestag gehalten, wo sie das Thema „Verfolgung der Christen in der Welt“ angesprochen hat. Die Aufhetzung gegen die Christen im Irak hat zu Massenmord und praktisch vollständiger Vertreibung des uralten assyrischen Stammes aus dem Irak geführt.

Wer im Hintergrund die Drahtzieher dieses Verbrechen sind, kann man sich gut vorstellen.

Heute wird in Syrien das gleiche Szenarium angewendet. Im Syrischen Konflikt sollten die deutschen Vertriebenen und alle heimattreuen Gruppen eine eindeutige und klare Position annehmen. Das Chaos in Syrien zu stoppen, um die Massen-Flucht aus dem Land zu verhindern - ob das Christen oder Muslime sind - und dadurch die Flut der Flüchtlinge nach Deutschland zu bremsen, ist nur möglich, wenn die legitime vom Volk gewählte Regierung Baschar Assad unterstützt wird.

 

Die Situation um Weißrußland

 

Hier entwickelt sich, verborgen von den Vertriebenen wie auch von der westlichen Öffentlichkeit im Ganzen, eine bemerkenswerte Situation, die weitgehende Folgen haben kann.

Es soll die besondere Aufmerksamkeit der Vertriebenen wie auch aller nationalen Kräfte Deutschlands auf die Geschehnisse in Weißrußland und auf die Rolle Polens in diesen Ereignissen gerichtet werden: ein Konflikt zwischen Polen und Weißrußland. Der Verursacher ist die polnische Minderheit auf dem Gebiet des heutigen Weißrußland.

 

Hier benötigt man einen kurzen Blick in die neueste Geschichte, also den Ausgang des II. Weltkrieges, wo generell das gesamte Vertreibungsdrama seine Wurzeln hat.

Nach dem Abkommen zwischen den Siegermächten über die neuen Staatsgrenzen nach dem Ende das Krieges wurde Polen reichlich territorial beschenkt, mußte aber auf Verlangen Stalins eins von seinen Gebieten der Sowjetunion überlassen – das GRODNO- Gebiet, wo noch viele Polen geblieben sind.

 

Die Besonderheit der Situation besteht darin, daß in Weißrußland zwei Vereine der Polen Weißrußlands tätig sind, wobei einer vom Justizministerium Weißrußlands anerkannt und registriert ist und der zweite, ein inoffizieller, von den Behörden Polens unterstützt, finanziert und geleitet wird.

Der Skandal um die polnische Minderheit in Weißrußland begann im Jahre 2005, als Angelika Boris zum Vorsitzenden des polnischen Verbandes gewählt wurde. Aber das Justizministerium in Weißrußland hat die Wahl-Ergebnisse des Kongresses der Polen unter der Leitung von Angelika Boris nicht anerkannt, da seiner Meinung nach dieser Verein die Grenze der Kultur- und Aufklärungstätigkeit im Bereich nationaler Minderheiten überschritten hat und politisch gegen die Interessen Weißrußlands aktiv geworden ist. Die weißrussischen Behörden hatten genug Gründe um zu behaupten, daß der polnische Verband unter der Leitung von Boris sich in ein Zentrum zur Finanzierung der Tätigkeit politischer Opposition verwandelt hat. Solche Unterwanderungspolitik Polens ist keinesfalls in den Verpflichtungen für die Unterstützung und Förderung der Tätigkeit nationaler Minderheiten vereinbart, die Weißrußland im Rahmen internationaler Verträge auf sich genommen hat.

 

Eine erneute Verschärfung des Konflikts um den Verband der Polen begann, nachdem in der Siedlung im Gebiet Minsk in der Versammlung der lokalen Abteilung des Verbandes der Polen ihre vorherigen Vorsitzenden von ihren Ämtern enthoben wurden. Die vorherige Leitung hatte sich geweigert, sich dem Beschluß des Kongresses unterzuordnen, und eine kleine Gruppe ihrer Anhänger besetzte das Haus, das dem Verband der polnischen Minderheit gehörte. Polen hat diese Aktion unterstützt, und die Vertreter der polnischen Botschaft erklärten, daß sie ein Recht auf das Vermögen haben. Gemeint ist das Haus.

 

Die polnischen Vertreter in der EU haben eine harte Position in dieser Frage eingenommen und versuchen allesamt Anstrengungen zu unternehmen, damit ständig an das Problem des polnischen Eigentums im Europarlament erinnert wird. (Ein gutes Vorbild für die Aktivitäten der deutschen Vertriebenen).

 

Es ist zu bestaunen, mit welcher Dreistigkeit und Hartnäckigkeit die Regierung Polens mit ihrem nicht anerkannten Verein Druck auf Weißrußland ausübt.

Der Presse-Sekretär des Auswärtigen Ministeriums, Andrej Sawinych, unterstreicht: „Wir können die Handlungen polnischer Behörden nicht ignorieren; sie versuchen, die Beziehungen zu der polnischen nationalen Minderheit in Weißrußland zu politisieren, stellen finanzielle Mittel zur Einmischung in innere Prozesse in unserem Land zur Verfügung, und höhere Amtspersonen in Polen sprechen sich in verantwortungsloser Weise gegen Weißrußland aus. Der Verzicht der polnischen Seite auf diese provokatorischen Handlungen würde viele unnötige Probleme in unseren Beziehungen beseitigen.“

Im Frühling 2010 haben sich die Vertreter des offiziellen Verbandes der Polen an die polnischen Behörden mit dem Appell gewandt, „die weißrussischen Polen nicht in die Guten und die Schlechten zu teilen und die Hetze und Lüge in den polnischen Massenmedien einzustellen“.

 

Wie reagierte das polnische Außenministerium darauf?

 

Den Leitern des offiziellen Verbandes der Polen in Weißrußland wurde die Einreise nach Polen wegen der Zusammenarbeit mit der Regierung des eigenen Landes, Weißrußland, verweigert.

Zur gleichen Zeit hat der Außenminister Polens, R. Sikorsky, bei Treffen mit den Vertretern des inoffiziellen Verbandes der Polen erklärt, daß die Aktivisten seitens polnischer Behörden unterstützt werden. „Polen ist ein Land, das sich sehr energisch in der EU für die Europäisierung und Demokratisierung Weißrußlands einsetzt. Wir sind ebenfalls ein Land, das sehr freigiebig unsere Landsleute sowie auch diejenigen unterstützt, die eine zivile Gesellschaft in Weißrußland aufbauen wollen“, erklärte der Minister.

Aber die finanzielle Unterstützung des offiziellen Verbandes der polnischen Minderheit, der von Minsk unterstützt wird, hat Polen beendet. Aussage des Vize-Sprechers des Senats, Lolanta Daneljak: „Wir können keine einzige Struktur finanziell unterstützen, die gegen Polen tätig ist, und solch eine wird mit Sicherheit der Verband der Polen sein, der Lukaschenko unterstellt ist.“

 

Warschau beschuldigt also den offiziellen Verband der Polen in Weißrußland, loyal zu dem weißrussischen Staat zu stehen. Deswegen erklärt die Regierung Weißrußlands zu Recht, daß der Verband als Organisation nationaler Minderheit keine oppositionelle Partei ist und daß er sich nicht mit Politik beschäftigen soll. Außerdem ist der Verband der Polen in Weißrußland keine Domäne Polens, die Befehle aus Warschau ausführt. Der Verband der Polen ist vor allem eine gesellschaftliche Organisation weißrussischer Staatsbürger, die im Rahmen des weißrussischen Rechtsfelds tätig ist.

Die weißrussische Seite hat Polen mehrmals vorgeschlagen, konstruktiv und im Geiste der Nachbarschaft an der Lösung des Problems des Verbandes der Polen mitzuwirken, was nur im Rahmen des weißrussischen Rechts, ohne Politisierung und Internationalisierung dieser Frage geregelt sein kann und ausschließlich nur Kultur- und Bildungsziele verfolgt.

 

Kritik an den Handlungen des polnischen Außenministeriums gibt es bereits auch in Polen selbst. Eshi Urban, der Ex-Minister für Information in der Regierung von Jaruzelski, äußerte sich im jüngsten Interview im Polnischen Radio und teilte seine Eindrücke hinsichtlich polnisch-weißrussischer bilateraler Beziehungen mit:

„Ich bin ein Gegner der Politik von Sanktionen. Den Polen kann das politische Regime in Weißrußland nicht gefallen, aber deswegen Sanktionen einzuführen, widerspricht den Prinzipien internationaler Beziehungen. Polen darf sich nicht in die inneren Angelegenheiten Weißrußlands einmischen.

Aber vor allem bin ich dagegen, daß die polnische Minderheit und ihre Organisationen für politische Ziele eingesetzt werden, weil dann die Polen tatsächlich in Minsk als fünfte Kolonne betrachtet werden. Die Instrumentalisierung einer nationalen Minderheit gegen das Herkunftsland wird auf Kosten dieser Menschen vorgenommen.“

 

Nach den Ergebnissen der Arbeit der Internationalen Konferenz „Solidarität mit Weißrußland“, die auf Initiative des Auswärtigen Amtes Polens in Warschau am 2. Februar 2011 durchgeführt wurde, wurde mitgeteilt, daß die Länder der Europäischen Union und die USA 87 Millionen Euro zur Unterstützung „der weißrussischen Zivilgesellschaft“ zur Verfügung gestellt haben. Das Außenministerium der BRD erklärte, daß es für diese Ziele 6,6 Millionen Euro zur Verfügung stelle. In Wirklichkeit ist der Anteil der deutschen Gelder wesentlich größer, weil die Gelder der EU größtenteils auch aus den Zahlungsmitteln des deutschen Steuerzahlers stammen.

 

Die offene Einmischung in die innere Angelegenheit der Republik Weißrußland wird von polnischen Politikern nicht einmal vertuscht, sie wird nur getarnt und so dargestellt, daß sie Zuspruch und Unterstützung in Europa erhält. So hat sich der Vize-Vorsitzende des Ausschusses des Parlaments (Sejm) der Republik Polen hinsichtlich der internationalen Politik, Robert Tyschkewitsch, am 25. April 2008 bei seinem Auftritt in Danzig folgendermaßen geäußert: „Die Unterstützung der polnischen Organisation „Solidarność“ in den 70er und 80er Jahren des XX. Jahrhunderts durch Westeuropa wurde zum Vorbild der Unterstützung der Zivilgesellschaft Weißrußlands heute für Polen“.

 

Zum gleichen Zeitpunkt hat die ehemalige Einwohnerin der Freien Stadt Danzig, Ingetraut Jochim, die aus ihrer Heimat vertrieben wurde, in Düsseldorf vor dem Haus der Vertriebenen, dem Gerhart-Hauptmann-Haus, versucht, während des Auftritts eines polnischen Diplomaten, die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Vertriebenen zu lenken, denen man nicht nur ihre Heimat geraubt und die man aus ihrem Vaterhaus vertrieben hat, und denen man nun auch noch ihre Erinnerung rauben will.

 

Die Brisanz liegt darin, daß die Regierung Polens, die von dem Präsidenten Lukaschenko verlangt, sich nicht in die Tätigkeit des Verbandes der Polen in Weißrußland einzumischen, sich erlaubt, sich ständig in die Tätigkeit der deutschen öffentlichen Organisationen auf dem Hoheitsgebiet Deutschlands - und zwar des „Bundes der Vertriebenen“ - einzumischen und auf jede Weise die Gründung des „Zentrums für Vertriebene“ zu verhindern, das die Erinnerung an ihre Tragödie und die Geschichte der Vertreibungen wachhalten soll.

 

Warschau demonstriert offen seine Feindschaft gegenüber der Vorsitzenden des „Bundes der Vertriebenen“, Erika Steinbach. Der Versuch, E. Steinbach in den Beirat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, die von der Regierung der BRD gegründet wurde, um die Probleme der Vertriebenen objektiv zu beleuchten, aufzunehmen, hat in Warschau eine Hysterie ausgelöst, sodaß sich der BRD-Außenminister Guido Westerwelle beeilte, ein Veto gegen ihre Beteiligung in diesem Rat einzulegen.

Dieser Fall ist präzedenzlos: die Opfer, in diesem Fall die Vertriebenen, sollen mit ihren Henkern vereinbaren, wie sie ihr Schicksal beleuchten sollen, um dabei das Ansehen ihrer Henker nicht zu schädigen.

 

Einen erneuten Skandal verursachte der Versuch, in den Rat „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ auch andere Vertreter von Vertriebenen – Arnold Telge und Hartmut Singer aufzunehmen. Der letztere erinnerte in seiner Publikation an eine der Tatsachen in der Geschichte Polens, an die Mobilmachung im Jahre 1939. Aber jede Erinnerung an „unbequeme“ geschichtliche Fakten in der Politik Polens jener Zeit verursacht in Polen eine Hysterie. Ein Versuch, dieses Thema der Vertreibung zu beleuchten, wird von Polen als Beleg für Revision von Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges und als Bedrohung für den polnischen Staat angesehen. Sofort wird es in einen Skandal auf internationaler Ebene mit obligatorischer Anwerbung von interessierten Seiten verwandelt.

Diese Methode des Aufbaus der Beziehungen zu seinem westlichen Nachbarn – Deutschland – versucht jetzt Warschau auch an seinem östlichen Nachbarn Weißrußland – anzuwenden.

 

In dieser Situation sollten die deutschen Vertriebenen ihre Stimme erheben und Polen klar sagen, daß diese Forderungen, die sie selbst an Weißrußland stellen, auch die deutschen Vertriebenen berechtigt, sie ebenso an Polen zu stellen. (Die Polen haben den Deutschen mehr als „16 Häuser“ geraubt). Diese Vorwürfe, die Polen dem BdV gegenüber macht, kann man mit mehr Berechtigung der polnischen Regierung vorhalten.

Hier zwingt sich eine Frage auf: warum darf Polen es sich erlauben, sich straflos in Weißrußlands Angelegenheiten einzumischen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Hier treffen sich die Interessen der USA, die den Eurasischen Kontinent zu spalten anstreben, was ihnen die Möglichkeit gibt, Westeuropa und auch Rußland unter Kontrolle zu halten.

 

Die amerikanischen Politologen machen heute kein Geheimnis daraus, daß ihre wichtigsten Verbündeten in Europa nicht die Westeuropäischen Länder sondern zentraleuropäische sind, vor allem Polen und Rumänien. Daher passen die Ansprüche von Warschau und Bukarest, getarnt als „historisch begründe“ Angst vor Expansion von Osten und Westen, sehr gut in die Strategie der USA, Europa von Rußland und Zentral-Europa auch noch von dem „verderblichen“ deutschen Einfluß zu isolieren.

 

Polen ist bestrebt, seinen Einfluß auf Litauen, Weißrußland und die Ukraine auszudehnen, auf die Territorien des einmal gewesenen „Retsch Pospolitaja“ – Groß-Polnischen Reiches (1569 – 1795). Wenn diese Polnischen Projekte in Erfüllung gehen sollten, so wird Polen ein Trennwall des Eurasischen Kontinents von Baltikum bis zum Schwarzen Meer.

Weiter würde dieser Wall dann das Neu-Osmanischer Reich verlängern, wonach die heutige Türkei deutlich erkennbar strebt. Nach dem Sturz der Regierung Assad in Syrien würde der Einfluß dieses neuen Gebietes, das Mitglied der NATO und treuer Vasall der USA bleibt, vom Bosporus bis Israel reichen. Anscheinend aus diesem Grund dulden oder sogar fördern die USA die Bestrebungen Polens und Türkei in verdeckter Form, ihre regionale imperiale Macht aufzubauen, um dann selbst ein Imperium über Imperien zu sein, um ihre globale Kontrolle über die Kontinente zu erleichtern.

 

Im Angesicht dieser geopolitischen Entwicklungen verliert die Frage der deutschen Vertriebenen das faktische Ansehen als revanchistische Bestrebung, die Ergebnisse des II. Weltkriegs zu revidieren und gewinnt ganz neue gegensätzliche Bedeutung: Gegner der totalen Globalisierung, der Vernichtung der nationalen Staaten und expansionistischen Politik der NATO zu sein.