Arminius – der erste Volksdeutsche Heimkehrer

 

In den Jahren 6-7 nahm er als Führer germanischer Hilfstruppen am Pannonischen Krieg teil (im heutigen Ungarn). Während der Zeit in Rom konnte er das römische Wesen in all seinen Prägungen erleben. Als Zeitzeuge sah er, auf welche grausame Art viele Römer mit Sklaven und Kriegsgefangenen umgingen, was bei ihm auf Ablehnung gestoßen sein musste.

Für seine Verdienste von den Römern in der Ritterstand erhoben und mit dem römischen Bürgerrecht kehrte er um das Jahr 7 n.d.Ztw. in seine Heimat zurück.

 

Das Kind, das einst die Heimat verließ, kehrte jetzt als selbstbewusster Mann und ausgezeichneter Heeresführer zurück. Auf dem langen Heimweg machte er immer wieder Entdeckungen und gewann für sich Erkenntnisse, die er als Kind nicht kannte oder bemerkte, die aber nun Unverständnis, Empörung oder sogar Entrüstung hervorriefen. Nun sah er seine Heimat vom fremden Kriegsvolk durchzogen, das nicht in die Landschaft der Ahnen gehörte. Der Hochmut der Römer, dem er als Heerführer während der Eroberungskriege keine Bedeutung beimaß, stach ihm auf einmal ins Auge, da nun seine Stammesgenossen von den Römern mit immer neuen Steuern und Abgaben gequält und erniedrigt wurden. Wut und Zorn stieg in ihm hoch und erweckte ein glühendes Bedürfnis und eine feste Entschlossenheit seine Heimat von den Eroberern zu befreien. In der Heimat angekommen, suchte Arminius von Hof zu Hof reitend alte Freunde auf.

(Man muß sich vorstellen, daß vor zwei Tausend Jahren die Germanen nicht in den Städten lebten, wie wir heute, ja nicht mal in den Dörfern, sondern auf den einzelnen Höfen. – Auf solch einem hauste meist eine Familie, seltener eine Sippe.)

Er warb für einen Befreiungskampf, dessen Wirken und Ziel er bis ins Kleinste durchdachte. Seine Redekunst muß gewaltig gewesen sein, denn nur durch Überzeugung konnte er die weit von einander lebenden und oft auch zerstrittenen germanischen Stämme zur Heeresfolge überreden und vereinigen. Zu Hilfe kam ihm der Freiheitssinn der freien germanischen Bauern.

Die Heimkehrer aus dem römischen Imperium hatten fassungslos berichtet, es gäbe dort keine freien Bauern mehr. Nur Sklaven schufteten auf den großen Gütern. Die freien Bauern wären von ihrer eigenen Führung, den Rittern und Senatoren, in die Armut getrieben worden und würden nun in den Städten als Arbeits- und Besitzlose gehalten. Sklaven wären die Arbeiter, die Römer nur noch Müßiggänger. Wie in heutiger globalisierten Welt würde alles von außen nach Italien gebracht werden, der Römer als Bauer auf eigenem Grund und Boden wäre verschwunden und in der Masse nur noch ein Bettler.

Also ahnten die Germanen schon was auf sie zukommt, wenn die Umstände nicht geändert werden.

 

Da beschlossen die Germanen, sich nicht „zivilisieren“ zu lassen und keine Römer zu werden. Sie wollten ihre Art bewahren, gesunde Kinder haben, ihre Frauen schätzen, in Freiheit nach ihren erprobten Gesetzen leben und ihre Feste zu Ehren ihrer Gottheiten im ewigen Kreislauf des Jahres feiern.

Steuern wollten sie auch nicht zahlen, da sie als freie Bauern lebten und keine Verwaltung benötigten. Wozu auch? Aufgaben des Gemeinwohls beschlossen sie auf dem Thing (eine Gemeinschaftsversammlung im Freien) und führten diese durch. Auch Körperstrafen waren den Germanen fremd. Wer gegen die Gemeinschaft verstieß, wurde gehängt. Auspeitschen und andere qualvolle Hinrichtungen waren für sie erniedrigend und abstoßend - aber genau das war das Verhalten und das Recht der Besatzer.

Deshalb entschlossen sie sich mit Hermann, dem Cherusker, für ihre Welt, für ihre Familie, für ihre Zukunft zu kämpfen.

 

Das Kraftverhältnis zwischen den zwar tapferen, aber rückständig bewaffneten sowie in Ausbildung unterlegenen germanischen Bauernkriegern und den römischen Legionären waren dermaßen groß, daß eine Auflehnung gegen die Weltmacht Rom einem Selbstmord glich.

Das römische Reich war scheinbar glanzvoll und kraftvoll, aber in seinem inneren Wesen war es von Fäulnis und Verfall gezeichnet. Die freie staatsbewusste Mittelklasse war verschwunden, die edle und opferbereite Gesinnung durch Habgier und Sittenlosigkeit abgelöst. Während die im Reichtum protzende Olegarchie herrschte, verkam das römische Volk in Armut und Elend. Die Sklaven und der Pöbel aus allen eroberten Ländern nahmen an Zahl und Einfluß ständig zu.

Trotz dieser Erscheinungen war die militärische Stärke Roms immer noch ungebrochen.

 

Der frühere Stadthalter von Syrien, Varus,wurdemit der Herrschaft über die neu eroberten germanischen Länder betraut. Er herrschte hart und grausam. Er machte sich durch seine Steuereintreibung, Hinrichtungen, Verschleppungen in die Sklaverei, Auspeitschen, Belästigung und Vergewaltigung germanischer Frauen bei den Germanen verhasst.

Das Maß war voll und es bedürfte nur einer politischen Größe wie Arminius, um den Hass seiner Landsleute gegen die Besatzer aufkommen zu lassen.

 

Die Germanen hielt Varus für ebenso feige und minderwertig wie die von ihm ausgebeuteten und grausam behandelten Orientalen, und dazu noch dümmer. In seiner Arroganz glaubte Varus, sich in seinem Herrschaftsbereich absolut sicher fühlen zu können. Ihm standen drei Elitelegionen mit insgesamt ca. 20 000 Mann zu Verfügung. Arminius war sich dieser ungeheuerlichen Macht sehr wohl bewusst.

 

Ihm war absolut klar, daß die Befreiung seines Landes nur gelingen konnte durch überlegene Strategie, List und Täuschung bis zum entscheidenden Schlag. Hinzu musste das Moment der völligen Überraschung kommen. Eine offene Feldschlacht nach dem germanischen Brauch wäre selbstmörderisch gewesen. Für die Entscheidungsschlacht gegen machtvolle Armee Roms fehlte Arminius noch ein Gelände, das den auf den Kampf in offener Feldschlacht spezialisierten Legionären fremd war, um ihnen eine Entfaltung mit der vollen Wucht unmöglich zu machen. Dazu bot sich das Gebiet im Teutoburger Wald an. Und eine günstige Gelegenheit ergab sich ebenso bald.

Arminius ließ ein Gerücht verbreiten, ein Aufstand sei ausgebrochen, um Varus aus seinem sicheren Lager herauszulocken. Varus, der Arminius noch immer als treuen Vasallen schätzte, nahm den Köder an. Er nahm Arminius als Ratgeber in seinem Gefolge mit, nicht ahnend, daß er damit sein eigenes Todesurteil unterschrieb.

Der Weg der Legionen führte zunächst über ebenes Gelände. Im Wald behinderte der von Regenfällen aufgeweichte Boden den Vormarsch und es fing an gefährlich zu werden. Von allen Seiten griffen aufständische Germanen die erschöpften Soldaten an. Die germanischen Hilfstruppen überliefen auch noch zu ihren Stammesgenossen. Arminius hatte sich in allgemeiner Verwirrung von Varus entfernt und die Führung übernommen.

Es war unmöglich geworden, die im Wald zusammengedrängte Legionäre in Gefechtsordnung ausschwärmen zu lassen. Die Angreifer schlugen erbarmungslos zu. Der verwunderte Varus erkannte die Aussichtslosigkeit seiner Lage und stürzte sich in sein Schwert.

Die Nachricht von der Niederlage verbreitete in Rom Furcht und Schrecken. Arminius Triumph schien vollständig zu sein.

Es gibt bis heute immer noch viele Diskussionen, sogar Streit zwischen den Historikern über den Ort des Geschehens und den tatsächlichen Verlauf der Schlacht. Die Einzelheiten sind heute aber unwichtig. Wichtig sindnur die stattgefundene Schlacht, der Sieg und dessen Bedeutung in der Geschichte unseres Volkes. Der Kampf der Germanen gegen die römischen Besatzer war ein einzigartiger Freiheitskampf, der uns Deutsche stolz machen muß.

„Der germanische Sieg über das römische Imperium bedeutet die Grundsteinlegung für eine deutsche Kulturnation.“ (Alois Mitterer)

 

Die Dankbarkeit des deutschen Volkes für die einmalige Tat seines Befreiers wuchs im Laufe der Jahrhunderte bis zur göttlichen Verehrung. Als Ausdruck dieser Dankbarkeit entstand nach langjährigem Mühen das Denkmal im Teutoburger Wald bei Detmold in der Nähe des vermuteten Ortes der Schlacht.

Mit dem Bau des insgesamt 53,46 m hohen Hermannsdenkmals wurde 1838 begonnen und 1846 wurde der Sockel des Mahnmals fertiggestellt. Da die damaligen Kleinstaatfürsten wenig Interesse hatten sich an einer gesamtdeutschen Sache zu beteiligen, ruhte der Bau bis 1863 und die Einzelteile des Denkmals lagen bis zur Einigung des Reiches unter Bismarck am Boden herum. Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) wurde der Denkmalbau fortgesetzt und 1875 unter Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. feierlich eingeweiht. 30 000 Menschen haben bei dieser Feierlichkeit teilgenommen, die aus allen Gebieten des Reiches anreisten. Kaiser Wilhelm I. erinnerte sich später, dass es die schönste Feier in seinem Leben gewesen wäre.

DieEntstehung des Denkmals ist nicht von seinem Erbauer, dem Bildhauer Ernst von Bandel (1800-1876) zu trennen. Er widmete sich zeitlebens dem Denkmalprojekt, dem er seine Gesundheit und Vermögen opferte. Während der Arbeiten lebte Bandel zeitweise in einem unterhalb des Denkmals errichten Blockhaus, der „Bandel-Hütte“, die man auch heute noch besichtigen kann. Bandel konnte die feierliche Einweihung noch erleben. Er starb 1876, ein Jahr nach Vollendung seines Lebenswerkes.

Auch die Deutschen Auswanderer waren nicht minder von der Person Arminius begeistert und entschlossen sich ihm zu Ehren auch in ihrer neuen Heimat ein Denkmal zu errichten. In Neu-Ulm, Minnesota, USA entstand 31 m hohes Monument, das als Symbol des Stolzes der deutschen Einwanderer auf ihr altes Heimatland dienen sollte.

 

Hermannsdenkmal bei Detmold

Hermannsdenkmal in Neu-Ulm,

Minnesota, USA

 

„Das Denkmal des Cheruskers auf der Grotenburg ist ein Nationalgut des deutschen Volkes geworden. Möge es eine Mahnung sein für jeden Deutschen, seine Kraft einzusetzen zum Wiederaufbau unseres schwer geprüften Vaterlandes, und möge es uns auch daran erinnern, daß wir dieses Ziel nur durch Einigkeit erreichen können“, sprach der Reichspräsident Paul v. Hindenburg 1925 zum 50-järigen Bestehen des Denkmals.

Ihm verdanken wir unsere Geschichte, ihm verdankt Europa seine kulturschöpferische Mitte. Ohne ihn wäre das römische Europa eine geistig öde Steppe geworden. Es wären keine Schlösser und Dome gebaut worden, Beethovens Musik wäre nie erklungen, Dürers Kunstwerke wären nie geschaffen worden, die großen Dichter wären nicht geboren worden, und vor allem das große Denken in den göttlichen Gesetzen der Natur wäre nie entstanden.

Darum Dank und Heil ihm, dem Cherusker, und allen Kämpfern für Europas Freiheit!

 

Die Geschichte des Germanischen Freiheitskampfes soll als Beitrag zur deutschen Nationalerziehung gelten. Dieser Kampf zieht auf die Bewahrung der eigenen sittlichen Ordnung, ausgedrückt durch den Stolz auf das eigene Wesen. Es baut auf die Kraft, das Erbe der Ahnen zu pflegen, die Frau als Gefährtin und Hüterin des Hauses und der Sitte zu achten und für die Freiheit auch das eigene Leben einzusetzen! Diese Ideen weisen in die Zukunft.

 

Was haben die Rußlanddeutschen mit Arminius gemeinsam?

 

Aus heutiger Sicht war der Cherusker ein Volksdeutscher. Mit 9 Jahren verließ er seine Heimat und geht in die Ferne, nach 15 Jahren im Alter von 24 Jahren kehrt er in die Heimat zurück - man kann ihn also als Heimkehrer betrachten.

 

Wie es oft im Leben ist, träumt man von einer Heimat, die man sich nach den Überlieferungen und Erzählungen der Vorfahren vorstellt. Je höher der Druck seitens der einheimischen Bevölkerung auf einem als Fremdling lastet, je stärker man der Verfolgung im Gastland ausgesetzt ist, desto stärker ist die Liebe zur gelobten Heimat. Die glühende Liebe zur Heimat, die man nie gesehen hat, zum Volk, den man nie gekannt hat, vergeht auch dann nicht, wenn man nach der Heimkehr nicht die Heimat vorgefunden hat, von der geträumt wurde und sein Volk nicht mehr das ist, was Weltgeschichte geschrieben hat und das jetzt auch noch seinen heimgekehrten Blutsbruder nicht erkennen will. Nein, die Liebe vergeht nicht. Im Gegenteil, der Heimkehrer ist eher bereit Opfer zu bringen um seine Heimatträume zu verwirklichen, als der Heimat den Rücken zu kehren und sich von seinem Volk abzusagen.

Auch Arminius müsste es so empfunden haben. Je länger er von seiner Heimat getrennt war, desto stärker musste seine Heimatliebe gewesen sein und Entschlossenheit, sich für die Befreiung seiner Heimat einzusetzen.

 

In den letzten Zehn Jahren - bei Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen, die von den volkstreuen Gruppierungen organisiert wurden -, wurde mir gegenüber oft eine Hoffnung ausgesprochen: „Die Russlanddeutschen sind vielleicht unsere letzte Hoffnung, die durch ihr erhaltenes Deutschbewusstsein, ihren Zusammenhalt und ihr Kinderreichtum Deutschland noch retten können“.

Werden wir die seelische Kraft finden, um die Hoffnung unserer Blutsbrüder zu rechtfertigen?

 

Das Werk des Cheruskers wartet nach 2000 Jahren immer noch auf seine Vollendung. Das ist eine überlebenswichtige Aufgabe, eine heilige Pflicht, sich für den Bestand, für den Erhalt der Identität unseres Volkes, für den Erhalt unserer Deutschen Heimat einzusetzen. Wir sind es uns und unseren Nachkommen schuldig. Auch wir, Russlanddeutsche Heimkehrer, sind jetzt gefragt das Werk Cheruskers zu vollenden. Wenn nicht wir, wer dann!?

 

Johann Thießen

 

 

Quelle:

1. Heinrich Piebrock – „Hermann der Cherusker – Der Befreier Deutschlands“

2. „Volk in Bewegung & Der Reichsbote“ – Sonderheft 6-2008