Leni Riefenstahl – bewundert, verleumdet und unvergessen

 

Leni Riefenstahl nimmt ohne Wissen des Vaters ab 1918 Ballettunterricht und muß daraufhin ein Pensionat im Harz aufsuchen, was sie nicht daran hindert, bei der russischen Primaballerina Eduardowa ihre Ausbildung fortzusetzen. 1923 engagiert sie Max Reinhardt in Berlin als Solotänzerin, doch nach über 70 Auftritten in vielen Stätten des Reiches und des Auslandes muß sie schon nach einem Jahr ihre erfolgreiche Karriere wegen einer Knieverletzung in Prag aufgeben. Als sie im selben Jahr den Filmregisseur Arnold Fanck kennenlernt, beginnt für sie ein neuer künstlerischer Lebensabschnitt. Für die Hauptrolle in „Der heilige Berg“ lernt sie Skifahren und Bergsteigen, da der Perfektionist Fanck Studioaufnahmen und Doubleszenen ablehnt. So muß sie für „Der große Sprung“ barfuß bergsteigen und durch eiskaltes Bergwasser schwimmen.

Es folgen bis 1933 eine Reihe von Filmen, wie „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ oder „SOS Eisberg“. Bei den diversen Filmwerken lernt Leni Riefenstahl das Filmhandwerk von der Pike auf und investiert ihre Gagen 1932 in ein eigenes Filmobjekt, das „Blaue Licht“. Auf der Biennale in Venedig erringt sie die Silbermedaille und wird fortan als Regisseurin und Schauspielerin weltberühmt. Internationale Anerkennung und eine Goldmedaille bei der Pariser Weltausstellung bekommt sie 1937 mit dem Reichsparteitagsfilm „Triumph des Willens“, der 1934 gedreht wurde.

Mit den beiden Olympiafilmen „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“, die vielfache internationale Auszeichnungen erhielten, erreichte sie 1936 den absoluten Höhepunkt in ihrem unermüdlichen Schaffen.

Noch immer gilt für diese filmische Meisterwerk der Satz:“Oft kopiert, doch nie erreicht“. Leni Riefenstahl hat ihre ästhetische Bildauffassung nie als politische Idealisierung im Sinne der damaligen Machthaber verstanden, auch wenn ihr dies von interessierter Seite immer wieder unterschoben wurde.

Nach dem Zusammenbruch des Reiches wurde aus der bewunderten und begnadeten Filmkünstlerin eine politisch Verfemte, die dem Haß und der Diskriminierung der neuen Machthaber schutzlos ausgeliefert war. Es folgte Gefangenschaft und Einweisung in eine psychiatrische Klinik durch die Franzosen, Enteignung des Filmmaterials, diverse Prozesse und jahrelange „Entnazifizierungsverfahren“, die letztmalig 1952 durch ein Berliner Spruchkammerurteil mit „Nichtbetroffen“ enden.

Nach dem Arbeitsverbot als Filmregisseurin arbeitete Leni Riefenstahl als Fotografin in Afrika und brachte von 1973 bis 1982 vier international beachtete und ausgezeichnete Bildbände, wie „Die Nuba“ heraus. Im Alter von 71 Jahren begann ein neuer Lebensabschnitt als Taucherin und Unterwasser-Fotografin, 1987 folgten ihre Memoiren unter dem Titel „Mein Leben“. „Fünf Leben“ heißt ein im Jahre 2000 erschienener Bildband, der nicht nur auf ihre fünf verschiedenen Lebensabschnitte hinweist, sondern auch an gefährliche Ereignisse ihres Lebens erinnert. In jungen Jahren wird sie in den Bergen von Lawinen verschüttet, fliegt mit dem Jagdflieger Ernst Udet gegen einen grönländischen Eisberg, muß bei Filmaufnahmen tiefe Gletscherspalten überwinden, Haie und Teufelsrochen fotografieren und überlebt schwerverletzt mit 96 Jahren einen Hubschrauberabsturz über dem Sudan.

Nur wenige prominente Künstler, die in der Zeit des Dritten Reiches erfolgreich waren, haben eine derartige Verleumdung wie Leni Riefenstahl erfahren. Bewunderung und Anerkennung wurde ihr nur im Ausland und nicht im eigenen Lande zuteil. Niemand wollte hierzulande ihre Filme und Bildwerke ausstellen, bis 1993 die Mauer des Schweigens mit der Dokumentation „Die Macht der Bilder“ erstmalig durchbrochen wurde. Als sie noch im Jahre 1999 im hohen Alter anläßlich einer umfassenden Werkschau im Filmmuseum Potsdam abermals auf ihre „NS-Nähe“ angesprochen wurde, antwortete sie dem einfältigen Fragesteller: „Ich sehe nicht ein, nachdem ich mindestens zehnmal entnazifiziert worden bin, daß ich mich nach einem halben Jahrhundert nochmal einer Entnazifizierung zu stellen habe“.

Am 8.September 2003 schloß Leni Riefenstahl für immer die Augen. Geblieben ist die Erinnerung an ihre überragende künstlerische Leistung, die kein blinder politischer Haß, kein verleumnender Presseartikel vergessen machen kann. Ihr Mut und ihre nimmermüde Zuversicht über die Zeiten fort nötigen Achtung und Bewunderung ab. In den Herzen der unserem Volke treu gebliebenen wird Leni Riefenstahl als große Deutsche unvergessen bleiben.

Gerd Kresse