Hans Unger – Kämpfer für die Deutsche Heimat

Am 17. Dezember 1972 bei Frunse in Kirgisien wird das „« Deutsche Nationalkomitee – für die Auswanderung der Deutschen  aus  der UdSSR» gegründet. Auch Johann Unger ist unter den Gründern.

1973 auswanderte J. Unger nach Deutschland aus und schon nach ein paar Monaten, da er keine Unterstützung bei der Führung der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ gefunden hat, gründete er mit Unterstützung  einer Gruppe Mennoniten in Espelkamp das  „Deutsche Nationalkomitee – Hilfsaktion  für ausreisewillige Volksdeutschen aus der UdSSR“

Jetzt bekommt die Organisation einen juristischen Status, da sie sich in der Sowjetunion im tiefen Untergrund befand. Von jetzt an war dieser Organisation die letzte Hoffnung für Tausende deutsche Familien, die in der UdSSR für die Ausreise nach Deutschland kämpfte.

Täglich kommt nach Espelkamp ein Stapel Post. Das sind nicht nur Berichte, Unterschriftsliste von  Komitee-Mitglieder, oder Briefe von angeschriebenen Behörden und Organisationen, sondern auch von unbekannten Leuten. „Herr Unger, wir haben Ihre Adresse bekommen und bitten Sie, sich für unsere Ausreise aus der UdSSR einzusetzen“, schrieben die verzweifelten Menschen. Allein für einen solchen Brief konnte man 3 Jahre Freiheitsstrafe bekommen, aber die Menschen schreckte nichts mehr zurück. Unger wird berichtet über alle Verhaftungen in den  Familien, die sich um die Ausreise bemühen. Unger schlägt Alarm, schreibt an die «Gesellschaft für Menschenrechte», an die Regierung, Radio, UNO. Das war dringend nötig, damitl der Verhaftete nicht einfach umgebracht werden konnte, „zufällig, im Streit mit anderen Gefangenen“, wie z.B. zwei Monaten nach seine Verhaftung in Estland Edinger getötet wurde. Wenn die Verhaftung aber der Menschenrechtsorganisation bekannt wurde, war die KGB „vorsichtiger“ im Umgang mit den „Staatsfeinden“.

Auf einen Aufruf Ungers, mehr über den Zustand und den Ausreise-Kampf der Deutschen in der Sowjetunion zu berichten, antwortet das Radio „Deutsche Welle“ am 24.April 1974 : „Im Interesse der potentialen Aussiedler, ist es am besten, zu diesem Thema zu Schweigen“. Unger reagiert sofort: “Schweigen ist tödlich, nur durch Kampf kann unser Volk die Freiheit erlangen.“

Am 18 Mai 1973 zum 1. Staatsbesuch aus der UdSSR in Bonn wurde der Sowjetregierung eine Petition mit 36.000 Unterschriften Ausreisewilliger überreicht. Ein Teil der Unterschriftslisten haben Deutschland nicht erreicht. Auf dem Weg nach Moskau wurden die Boten vom KGB abgefangen, verhaftet, gefoltert und ins Gefängnis gesteckt. Die Unterzeichner der Listen mussten die Konsequenzen tragen. Einer von diesen war Erich Abel, der mit Unterschriftslisten unterwegs nach Moskau verhaftet wurde und für drei Jahre ins Gefängnis kam, unter sehr schweren Bedingungen. Aus der Haft kam er Invalide. Dank der aktiven Tätigkeit des Komitees waren die Sowjets gezwungen, den kranken Man im Oktober 1976 nach 20 Jahren ununterbrochenen Kampfes die Ausreise nach Deutschland zu gewähren. Nur ein Jahr war es Ernst Abel geglückt, die Heimat der Vorfahren zu erleben. Im Dezember 1977 starb er an Krebs. Vor dem Tod sagte er:“ Ich habe meine Pflicht getan. Meine Kinder sind im Heimatland“.

Die Sowjets verfluchten Unger, allein wegen des Kontakts mit ihm drohte die Gefängnisstraffe.

Da die Sowjetregierung immer wider behauptete, daß die Ausreisefrage vom Tisch sei, es gibt keine Ausreiseillige mehr, war es notwendig, Beweise der Lüge vorzuweisen.

Am 29. Juli 1975 schickt Johann Unger ein Telegramm an die in Helsinki tagende Konferenz für Sicherheit  und Zusammenarbeit in Europa „Im Namen und im Auftrag der Ausreisewilligen Deutschen in der UdSSR bitte ich alle Teilnehmer der Konferenz, sich bei der Regierung der UdSSR für das Recht und die Anliegen der Deutschen in der Sowjetunion einzusetzen, das sie frei ausreisen dürfen“.

Die größte Unterstützung findet Unger bei den nationalen Organisationen, die aktiv den Kampf der Volksdeutschen für die Rückkehr ins Vaterland unterstützen.

Es ist eine falsche Meinung, daß sich die BRD zu der Zeit bemüht hat, den Deutschen in der UdSSR zu helfen, wenigstens aus ideologischen Gründen den Gegner zu ärgern. Einen großen medialen Aufschrei gab es über Menschenrechten aller anderen Nationen, der Not der Deutschen wurde verschwiegen, damals wie heute.

Das Archiv von Johann Unger  ist eine Dokumentation der nationalen Bewegung der 70-er Jahre für das Recht auf Ausreise der Deutschen in der Sowjetunion in die historische Heimat – nach Deutschland. Johann Unger schrieb an verschiedene  internationale und religiöse Organisationen, Regierungen, Parteien, an die «Gesellschaft für Menschenrechte», UNO, an den Papst. Der Briefwechsel mit diesen Organisationen und Regierungen, Tausende Briefe mit mehreren Tausenden Unterschriften für die Ausreise, die heimlich aus fernen Orten Sibiriens und Kasachstan nach Deutschland geschleust wurden, Zeitungsberichte damaligen Zeit über den Ausreisekampf sind Zeuge der Aktivitäten des „« Deutsche Nationalkomitee – für die Auswanderung der Deutschen  aus  der UdSSR», der Mühe und Standhaftigkeit von Johann Unger, der die treibende Kraft des „Komitee..“ war.

Johann Unger war ein wahrer deutscher Patriot. Schon damals verstand er die Notwendigkeit, den wahren Grund der Ausreise der Deutschen aus der Sowjetunion. In seinen Briefen und Petitionen in allen Instanzen schrieb er bezüglich der Ausreise: „Nicht nur im Rahmen der Familienzusammenführung, sondern im Rahmen der nationalen Volkszugehörigkeit! Als Deutsche zum deutschen Volk, und zum deutschen Vaterland , zum deutschen Staat!

Johann Unger starb am 25 August 1989 im Alter von 68 Jahren. Der Rückwanderung der Deutschen aus der Sowjetunion in die historische Heimat war voll im Gange, so wie Johann Unger es gewünscht hatte, wofür er 40 Jahren Lang gekämpft hat.

Auf dem Friedhof in Espelkamp, im Norden NRW, hat er seine letzte Ruhe gefunden, von vielen seiner Landsleute vergessen, die ihm seine Einreise nach Deutschland zu verdanken haben.

Johann Thießen

Аndrej Triller