Der große deutsche Tenor, Künstler und Mensch

Durch meine in den letzten Jahren aufgekommene Begeisterung zum deutschen Volkslied bin ich auf die weltberühmten deutschen Tenöre der Nachkriegszeit gestoßen: Peter Anders, Fritz Wunderlich, Rudolf Schock.

Aus einigen Berichten habe ich erfahren, daß Rudolf Schock die letzten seiner Lebensjahre in meiner Kreisstadt Düren verbracht hat, wo er auch unerwartet am 13. November 1986 in seinem Haus an Herzversagen starb.

Heute ist ein katholischer Feiertag: Allerheiligen. Aus jahrhundertlangen Tradition gehen an diesem Tag die Deutschen zum Friedhof und gedenken ihrer verstorbenen Nächsten. Für mich war es ein Anlass das Grab von Rudolf Schock zu besuchen.

Rudolf Schock ist auf dem Friedhof Düren-Gürzenich in einem gemeinsamen Grab mit seiner drei Jahre vor ihm verstorbenen Tochter Isolde beigesetzt. Seine Frau Gisela (geb. Behrends) ist 25 Jahre nach ihm (2011) verstorben und ebenfalls in diesem Grab beigesetzt.

Da ich in den letzten Jahren ein Verehrer von Rudolf Schock geworden bin (besonders aufgrund seiner Volkslieder), mochte ich, daß mehr Menschen über den weltberühmten Sänger aus unserer Stadt erfahren.

Ich habe mehrere Quellen im Weltnetz ausgekundschaftet und mit Hilfe dieser Informationen einen Bericht über sein Leben und seine künstlerische Laufbahn zusammen gestellt.

J. Thießen, Hürtgenwald

 

Zum Todestag von Rudolf Schock

Rudolf Schock ist am 4. September 1915 in Duisburg zur Welt gekommen. Er wuchs in einer musikalischen Arbeiterfamilie in Wanheimerort, einem Stadtteil von Duisburg, auf und hat schon als Kind in verschiedenen Chören gesungen.

Grabstein auf dem Friedhof Düren-Gürzenich

Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1923 unterstützten er und seine vier Geschwister, die später alle Berufssänger wurden, die Mutter finanziell dadurch, dass sie bei Festen und in Lokalen mit volkstümlichen Liedern und Operettenmelodien auftraten. 1936 wurde er als 1. Chortenor in den Chor der Bayreuther Festspiele aufgenommen und 1937 erhielt er seinen ersten Solistenvertrag beim Staatstheater in Braunschweig. Dort lernte er die Tänzerin Gisela Behrends kennen, die er 1940 heiratete. Das Paar hatte zwei Töchter, Isolde und Dagmar.

Seine musikalische Laufbahn wurde aber 1939 durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, da er zur Wehrmacht eingezogen wurde und – von kleineren Unterbrechungen für Auftritte in Wien und Berlin abgesehen – bis zum Kriegsende 1945 Soldat der Wehrmacht war.

Nach dem Krieg verdiente er zunächst als Landarbeiter im Harz den Lebensunterhalt für seine Familie, kehrte dann aber auf Anraten des Intendanten des Opernhauses Hannover an die Opernbühne und in den Konzertsaal zurück.

1948 wurde Rudolf Schock als erster deutscher Sänger nach dem Krieg an die Londoner Oper geholt. Er trat im Laufe seiner Karriere unter anderem in Berlin und Wien, an der Deutschen Oper am Rhein, in Hamburg, München, trat bei den Salzburger Festspielen und bei den Edinburgher Festspielen auf und ging in Australien, Amerika, den Niederlanden und Belgien auf Tournee.

Rudolf Schock, fast 50-jährig, wendete sich in seinen Schallplatten-Aufnahmen mehr der Operette, dem Volks-/Heimatlied und dem klassischen Lied zu. Durch seine Arbeit als Opern- und Liedersänger, durch Auftritte mit volkstümlicher Musik entwickelte sich Schock zu einem "Sänger des Volkes". Ungeheure Popularität erlangte der blendend aussehende und international populäre Tenor Rudolf Schock vor allem ab Ende der 1950er Jahre durch seine zahlreichen Auftritte im Rundfunk, in Fernseh- und Unterhaltungssendungen sowie seine Mitwirkung in einigen Musikfilmen und TV-Produktionen.

Daneben trat er nach 1962 oft als Gast an kleineren Opernbühnen und sehr viel in den Konzertsälen (in deutschsprachigen Ländern, in Belgien, den Niederlanden, Amerika und Kanada) auf. Die Programme enthielten klassische Lieder, Fragmente aus Oratorien, aber auch Opernarien und Operettenlieder.

1969 erlitt er einen Herzinfarkt, der ihn zur Pause zwang, von dem er sich jedoch erholte, sodass er wieder auftreten konnte.

1980 erkrankte seine Tochter Isolde an Krebs. Er und seine Frau zogen nach Düren, wo sie lebte, um ihr und ihrer Familie helfen zu können. Im Sommer 1983 erlag sie ihrem Leiden. Auch als Therapie gegen den Schmerz um den Tod seiner Tochter trat er weiterhin öffentlich auf.

So war er noch wenige Tage bis vor seinem Tod singend unterwegs. Am letzten Donnerstagabend standen seine begeisterten Verehrer mit Blumen in Händen vor der geschlossenen Tür der Tübinger Stadtbibliothek, wo er aus seinem Erinnerungsbuch lesen wollte. Er kam nicht. Am Morgen dieses Tages war er in seinem Haus in Düren ganz unerwartet an Herzversagen gestorben, einundsiebzig Jahre alt.

Der vielseitige Künstler war einer der beliebtesten Tenöre Deutschlands. Kein deutscher Sänger nach ihm hat so eindrucksvoll und unverwechselbar gesungen wie Kammersänger Rudolf Schock. Er hat Generationen mit seiner Kunst erfreut. Er wurde weltberühmt und wird unvergessen bleiben.

Seine Heimatstadt Duisburg ehrte ihn für seine Leistungen mit der Mercator-Medaille und hat nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannt. Auch die Stadt Düren ehrt den berühmten Sänger, der seine letzten 6 Jahren hier lebte, und hat 1992 dem Platz vor dem „Haus der Stadt“ seinen Namen gegeben.

Wolgalied „Der Zarewitsch“   

http://www.youtube.com/watch?v=weeb7GU61s8&hd=1

Rudolf Schock - Weisst du es noch

https://www.youtube.com/watch?v=zlGsEb-VfGs

Rudolf Schock - Wenn es Abend wird

http://www.youtube.com/watch?v=3lAmj4wjMtk