Die Protestuierten

Beispiel? So viel Sie möchten!

Schauen Sie sich in Berlin, oder in anderen Großstädten um. Da wird protestiert, was das Zeug hält: Gegen das Iranische Atomprogramm; gegen Ahmadinedschad; gegen das Assadregime in Syrien; gegen all die anderen Diktatoren, Gott weiß noch wo auf der Welt; gegen den Krieg da, und für den Luftangriff dort; gegen Fremdenhass und Antisemitismus in Deutschland und so weiter, weiter und weiter.

Die Freier sind Vertreter unterschiedlicher Lobbys, Exiloppositionelle aus aller Herren Länder, Personen, die wegen irgendwelcher Vergehen (beispielsweise Hochverrats) ihr Herkunftsland verlassen mussten, und nun auf Rache aus sind. Außerdem gehören dazu auch bundesdeutsche Politiker, die in Wahrheit Interessen anderer Staaten vertreten und entsprechende Protestkundgebungen in Auftrag geben.

Zuhälter sind diverse Organisationen. Als da wären: Bundeszentrale für dies und das; Zentralräte derer oder derer; verschiedene Stiftungen, internationale Bündnisse, Brücken und wie sie alle noch heißen. Sie alle haben eins gemeinsam: jede Menge Geld, nicht selten bereitgestellt vom Staat. Dabei ist der Staat sehr großzügig, so dass er, sollte mal ein Freier nicht gut bei der Kasse sein, stets mit dem Geld seiner Bürger zu helfen bereit ist, denn die Protestuierten müssen ja auch bezahlt werden. Die Busfahrten, die die von den Zuhältern angeheuerte „Ware“ zum Kundgebungsort bringen sollen kosten auch viel Geld: Benzinkosten, Mautgebühren, Busfahrerlöhne sowie auch Speis` und Trank, die die Auftragsprotestler bei der Laune halten, und sie willig machen sollen. Da ist dem Vater Staat scheinbar kein Cent zu schade. Da geht er gerne mit den Freiern und den Zuhältern Hand in Hand.

Wer sind aber die Menschen, die sich für fremde Zwecke missbrauchen lassen? Was bringt einen Menschen dazu, nicht nur seinen Körper zur Verfügung zu stellen, sondern auch seine Stimme?
Was bringt einen dazu, seine Prinzipien, sein Gewissen, seine Ehre, ja seine Seele zu verkaufen? Wer sind die, die ihrem eigenen Untergang scheinbar gleichgültig entgegenblicken, und für die Syrischen Rebellen, beispielsweise, demonstrieren? Was bewegt sie?

Denn, leider, sind es nicht immer und nicht nur ein paar Dutzend gelangweilte, „arbeitsuchende“ Jugendliche, die auf ein bisschen Spaß und Randale aus sind (Gratisausflug und Verköstigung inklusive). Manchmal sind es Damen und Herren im bereits fortgeschrittenen Alter, wie neulich bei den „weltweit durchgeführten“ Lesungen für die Freiheit und Demokratie in Syrien.

In einem Fernsehbericht konnte man eine kleine Menschengruppe sehen (8 - 10 Leute), die angeblich bei diesen Lesungen mitgemacht hat. Schon auf den ersten Blick war es zu erkennen, dass die Gruppe notdürftig und auf die Schnelle zusammengewürfelt wurde. Einige von ihnen waren eindeutig asiatisch-fernöstlicher Abstammung und dürften sich kaum sonderlich für die Probleme in Nordafrika oder im Nahen Osten interessieren, geschweige denn, sich mit ihnen auszukennen. (Haben sie doch bei sich zuhause, im Fernen Osten genügend eigener Probleme). Sie standen verunsichert herum, und schienen nicht so recht zu wissen, was das ganze soll, und warum sie von einigen Passanten als Kriegstreiber beschimpft werden. Nur ein Herr, der offensichtlich zu den Organisatoren dieser, so genannten Lesungen gehörte, nahm seine Aufgabe bewusst wahr und „bellte“ beherzt zurück.

Es ist übrigens üblich, dass bei der Art Veranstaltungen die meisten „Teilnehmer“ gar nicht wissen, worum es überhaupt geht und nicht selten bis zum Schluss im Glauben gelassen werden, dass sie nur einen Ausflug machen. Dass sie als Statisten in einem politischen Theaterstück missbraucht werden, ist ihnen oft überhaupt nicht bewusst.

Natürlich gibt es auch solche, die da auch bewusst mitmachen, weil sie gerne mit dem Zeitgeist gehen, und „aktive mündige“ Bürger sein möchten. Manche Politiker, Prominente, oder die, die es gerne werden möchten, ergreifen jede Gelegenheit, um sich rechtzeitig zu Wort zu melden, sich öffentlich zu äußern, um den gewissen einflussreichen Organisationen und Persönlichkeiten positiv aufzufallen, wie es beispielsweise Andrea Nahles von der SPD, oder Hermann Gröhe von der CDU im Falle des umstrittenen Gedichts von Günter Grass, „Was gesagt werden muss“ getan haben. Beide sind zwar schon in ihren jeweiligen Parteien zu festen Größen herangewachsen, spielen aber auf Bundesebene, im Konzert der Großen und Mächtigen, bei weitem nicht die erste Geige. Wer aber hoch hinauf will, darf sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich als Freund und Beschützer Israels zu profilieren.

Frau Merkel und Co konnten sich den Luxus erlauben, sich, wie ihr Sprecher Seifert gesagt hatte, nicht zu jedem Gedicht, das der künstlerischen Freiheit obliegt, äußern zu müssen. Den Luxus haben Nahles und Gröhe (noch) nicht. Sie möchten erst nach ganz oben, und da heißt es, so schnell wie möglich das „Richtige“ zu sagen, bevor es ein anderer tut.

In solchen Momenten entscheidet sich oft der weitere Verlauf der Karriere eines Politikers. Ob man im richtigen Moment das Richtige oder das Falsche sagt, entscheidet darüber, ob man weiterhin ein graues Mittelmaßpolitikerdasein führen müssen wird, oder ob einem demnächst Flügel wachsen und ihn in schwindelerregende Höhen hinaufkatapultieren werden, oder man ungebremst auf dem Boden aufschlägt und zerschellt.

Die Einen hören nur auf ihr Herz, auf ihr Gewissen und tragen Konsequenzen, die Anderen protestuieren sich, um besser und schneller voran zu kommen.

Johannes Kremer

Aus der russlanddeutschen Zeitschrift „Ost-West-Panorama“